Silvester

Viele Jahre habe ich ja immer Sylvester geschrieben, wenn ich Silvester meinte. Wahrscheinlich wegen Sylvester, dem grauen Kater aus Bugs Bunny, aus den Cartoons, die ich ausschließlich bei Oma gucken durfte. Bei derselben Oma verbrachte ich auch die ersten sieben Silvesterabende. An dem Tag gab es keine Cartoons, dafür ein großes Fondue, angerichtete auf einer langen Tafel. Nicht etwa langweiliges, stinkiges Käsefondue, dass alle beteiligten mit Käsefäden vernetzt und leider viel zu oft nur nach bitterem Kirschwasser schmeckt. Bei Oma gab es Fleischfondue. Die dicken Stücke lagerten für jeden in einem braunen Tonschüsselchen, die braunen Teller waren in Kammern unterteilt, auf denen Mais, Gürkchen, Ketchup und Kartoffelsalat getrennt voneinander auf die gebratenen Fleischstückchen zu warten hatten.  Jeder bekam zwei Pieker, ebenfalls in diesem eigenwilligen sechziger Jahre braun, an deren Ende eine Farbe half, das im heißen Öl siedende Fleisch den jeweiligen Besitzern zuzuordnen. Ganz klar, meine Liebe zum Fleisch hat mir Oma vererbt. Sie ging auch konsequent mit meiner kurzen und harten Phase des Vegetarismus um. Wer kein Fleisch ißt, der bekommt eine Wurst. Ganz einfach.

Vollgestopft mit Fleischfondue wurden wir Kinder lange vor zwölf nach draußen geschickt. Zum Böllern, wobei eigentlich nie etwas böllerte. Es gab Wunderkerzen, kleine Leuchtfontänen und leuchtende Bienen. Kinderglück ohne Wumms und Gefahr. Gefährlich war nur, dass ich die Wunderkerzen ausschließlich mit Woll-Handschuhen abbrennen lassen wollte, aus Angst die Funken würden mir die Finger verglühen. Dann durften wir ins Bett.

Sylvester finde ich immer noch ziemlich gut, Silvester nicht so sehr. Auf keinen Fall möchte ich um 12:00 in einer Großstadt stehen müssen und vor selbstgebastelten Böllern in Deckung gehen. Ich möchte nicht auf einer Party sein,  für die die Eintrittskarten bereits im Mai gekauft werden mussten und wo das Bufett streng rationiert und genauso scheiße ist wie die Stimmung. Und ich möchte nicht ohne Bon in einer Jackenschlange stehen müssen.

Ich möchte immer noch Fleischfondue, Wunderkerzen mit Handschuhen abbrennen und um halb zwölf ins Bett. Und an Neujahr eine Folge mit Sylvester.

 

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