Michael and Me

Solange ich denken kann gab es zwei Geburtstagskuchen, zwei Häufchen mit Geschenken, zwei Partys (oder eine Party auf der es dann immerhin zwei Schlangen gab in die sich Gratulanten einreihen konnten) und solange ich denken kann habe ich an meinem Geburtstag auch anderen gratuliert. Jenen, mit denen ich meinen Geburtstag teilte: meinem Vater, meinem Cousin und später – nach eingängiger Lektüre des BRAVO-Star-Kalenders – auch Michael Jackson. Allesamt geboren am 29. August.

Michael Jacksons Musik fand ich gut. Leider war meine Dangerous Kassette nach nur einer Woche kaputt gegangen (selbst schuld: ich hatte immer wieder zu  „Heal the World“ gespult).

Michael Jackson - Dangerous
Das Original-Tape – still broken….

In der BRAVO hatte ich jedenfalls gelesen, dass Michael Jackson an seinem Geburtstag Kinder, die auch am selben Tag Geburtstag haben, auf seine Neverland-Ranch einlädt. Und ich teilte den Tag ja nicht nur mit Michael sondern AUCH NOCH mit meinem Vater – klarer Fall – für eine Einladung nach Kalifornien war ich qualifiziert, wenn nicht sogar überqualifiziert. Meinem Vater habe ich die frohe Botschaft direkt überbracht und von nun an wartete ich jedes Jahr an unserem Geburtstag auf den Brief von Michael und mein Vater wartete mit.

Praktische Gedanken zur Reise machte ich mir nicht. Dass ich Michael möglicherweise über meine Geburtsdetails informieren müsste hielt ich für völlig unnötig. Schließlich hatte Michael Jackson einen eigenen Vergnügungspark! Noch dazu hatte er die Hautfarbe gewechselt und trug goldene Uniformen – Jackson würde wohl wissen welche Kinder der Welt mit ihm den Geburtstag teilen und wer besonders gut geeignet war um an seiner Kaffeetafel zu sitzen und dort mit von Affen servierten Köstlichkeiten (Pommes, Toffifee und Cola*) vollgestopft zu werden. Heute würde ich zugeben, dass die Annahme naiv war – damals klang alles logisch. Sehr logisch. Wasserdicht!

Hier könnte jetzt ein mittlerer bis langer Exkurs zur Landkind-Naivität folgen aber ich belasse es vorerst dabei: lange Zeit hatte ich schlicht keine Ahnung (auch nicht davon, das Jackson wahrscheinlich lieber Jungs als Mädchen zu Milch und Keksen lud).

Es kamen viele Briefe zu unserem Geburtstag – einmal sogar ein Telegramm – ein Brief von Michael Jackson war nie dabei. Anstelle des Briefs kam ein Anruf und zwar an einem schönen Junimorgen im Jahr 2009. Ich stand halb angezogen in einer Kölner Küche während mir mein Vater ins Ohr rief: „Dr King of Pop isch dod! Des mit der Einladung nach Neverland, des wird nix mehr.“

Mindestens eine Woche lang hörte ich „Heal the World“ in Dauerschleife. Das Michael Fan-Shirt (mit dem Panter drauf), mit dem ich schon so lange geliebäugelt hatte, habe ich mir doch nicht gekauft. Zu teuer.

 

*gabs bei uns nicht.

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