Drinnen Schwimmen

Donnerstags ist Badetag und auch in meinem Urlaub versuche ich an dieser Regel festzuhalten. Denn ich bin eingefleischter Schwimmbadtourist und möchte sie bereisen, die Bäder dieser Welt! Ich war schon Baden in Spanien und der Schweiz, in Kreuzberg, Neukölln und Hamburg. Auch während meines Urlaubs in München besuchte ich Schwimmbäder und zwar nicht nur das Olympiabad, auch an einer Stippvisite im Müller’schen Volksbad kam ich nicht vorbei. Immerhin wird dieses Bad im Reiseführer als das schönste Jugendstilbad Europas angepriesen.

Tatsächlich ist das Müllersche Volksbad eine reine Augenweide. Doch birgt die Bauweise des Jugendstil so manche Tücken, auch für geübte Schwimmbadtouristen wie mich. Unter anderem sind die Duschen direkt vor dem Becken angebracht. Man zieht sich also nicht um, geht in einen mit Duschen versehenen Raum und kommt nass wieder heraus, um dann in die Schwimmhalle zu gehen, nein. Man zieht sich Badesachen an, geht trocken in die Schwimmhalle, duscht dort und darf dann erst schwimmen.

Aufgrund dieses ungewöhnlichen Ablaufs der sich mir erst spät erschloss und weil es noch ziemlich früh am morgen war, dauerte es relativ lange, bis ich mich zu den Duschen vorgekämpft hatte. Auf der Suche wandere ich lange im Volksbad umher, bis ich, als einzige im Bikini wieder in der Eingangshalle stand. Dort musste mich die freundliche Dame an der Kasse unter den erstaunten Blicken umstehender Rentnern erneut in den Badebereich einlassen. Glücklicherweise sah sie vom erneuten Entrichten des Eintrittsgeldes ab. Das war gut so, denn ich hatte ausnahmsweise keine Visa-Karte in meinem Badeanzug stecken. Während sie mich wieder einließ, erklärte mir die Kassen-Dame dann auch, dass die Duschen am Becken zu finden seien.

Am Schwimmbecken angekommen sah ich am Kopfende des Beckens zwei Eingänge, über der rechten Duschtür stand „Herren“, weswegen ich in die linke Tür hinein ging. Nach dem Duschen (die Räumlichkeit war angenehm leer) fiel mir beim erneuten Betreten der Halle auf, dass mich die fünf bereits schwimmenden Rentner merkwürdig anstarrten. Unbeirrt schwamm ich drauf los und erfreute mich an der Schönheit des Jugendstil sowie der angenehmen Ruhe im Bad. Als eine Schulklasse samt Lehrerin in der Schwimmhalle erschien, trat ich den Rückzug an, stieg aus dem Becken und ging mit Shampoo und Duschgel ausgestattet erneut auf die Duschen zu. Rechts stand „Herren“, also ging ich links zu – Moment, „Herren“? Ich war irritiert. Zwei Eingänge für „Herren“, keinmal „Damen“? – Wo gibt’s denn sowas? Immerhin verstand ich nun weshalb mich die Rentnermeute vorhin so missbilligend beäugt hatte. Ich stand verdattert am Beckenrand und überlegte aus Trotz noch mal in die Herrendusche zu gehen. Dann bemerkte ich die Damenduschen – am anderen Ende der Halle….

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