Die Zeitungsfrau

Der Mörder kommt meist durch die Hintertür. Logisch. Mädchen in Horrorfilmen rennen, sobald sie ein komisches Knarzen hören immer in den ersten Stock. Das ist weitaus weniger logisch, weil sie sich dann im Wandschrank verstecken müssen und nicht ordentlich fliehen können. Die Mottenkugeln, die noch von Oma im Schrank abgelegt wurden und der Staub, der an den Klamotten hängt, kitzelt Horror-Opfer in den Nasen. Und enttarnt durch einen Nieser werden sie am Ende brutal abgeschlachtet, obwohl sie sich doch so einfach durch die Vordertür hätten retten können.

Nun ist im Regelfall kein Mörder parat, wenn man zufällig vergessen hat das Klofenster zu schließen oder wieder einmal den Schlüssel von außen an der Wohnungstür hat stecken lassen (was besonders einladend ist, wenn man wie ich in einer Erdgeschosswohnung lebt). Wenn sich überhaupt jemand für die offene Wohnung interessiert, sind es Menschen, die dem Blutdurst schnöde Elektronik oder Schmuckschatullen vorziehen. Tatsächlich gibt es vergleichsweise wenig Besuch in vergleichsweise gut zugänglichen Wohnungen.

Die Wohnung meiner Eltern liegt auf dem Land und ist keine Wohnung sondern ein Haus. Es ist ziemlich zugänglich, wie auf den Land eben üblich. Ausgestattet ist es mit wichtigen Horror-Features: einem Gasherd und Messerblock (zum Popcornaufknallen und anschließender Bewaffnung wie bei Scream Teil 1), einem oberen Stockwerk („Hallo …. ist da jemand … ?….“) und dem klassisch eingebauten Wandschrank (mit ökologischen Lavendelsäckchen statt Mottenkugeln). Als ich einmal morgens um 5 noch am Computer saß und mich zufällig zum Fenster drehte, gefror mir für einige Sekunden sprichwörtlich das Blut in den Adern. Denn vor dem Fenster, wenige Zentimeter entfernt, starrte mir stumpf ein Gesicht entgegen. Ich sprang vom Stuhl und rannte rekordverdächtig schnell in den ersten Stock – für einen Griff in dem Messerblock und ordentliche Bewaffnung war keine Zeit. Dafür kreischte ich oben im Wandschrank ziemlich laut und lange, weswegen mich meine verschlafenen Eltern relativ leicht lokalisieren konnten.

Wie viele Opfer die Zeitungsfrau wohl noch vorweisen kann? Es müssen viele sein. Sehr viele!

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