Denken Sie an was Schönes

Die Anweisung an was Schönes zu denken erhält man vor allem beim Arzt. Doch anstatt sich schon im Wartezimmer etwas für selbigen Ernstfall zu überlegen, schlägt man die Zeit dort, wie vorgeschrieben, mit Warten tot. Erst blättert man die Gala und die In-Touch durch. Dann die Bunte. Stern und Spiegel sind schon weg. Beides haben schlaue Wartende bereits Anfang der Woche mitgehen lassen.

Mir fällt tatsächlich nie etwas ein, wenn ich unter Druck und ohne Google-Hilfe einen Vorschlag machen soll. Wenn mir schnell etwas einfallen soll, spielt sich vor meinen Augen eine Szene aus den Simpsons ab. Ich sehe und höre! eine Affenkapelle, die in Homers Hirn (und gemeinerweise gleichzeitig auch in meinem) Tschigderassa-Bumm spielt. Die Affen tragen alle rote Hütchen und mit Gold umsäumte Jacketts, es gibt einen Piano Spieler, einen am Kontrabass und einer hängt mit seinem Schwanz von einem Baum und haut Pauken aneinander. Unbrauchbar, wirklich völlig unbrauchbar.

Letzens wartete ich auf eine MRT-Untersuchung meines Gehirns (ja, es gibt leicht hypochondrische Tendenzen). Ich hatte nur kurz gegoogelt, was genau mich bei einer solchen Untersuchung erwarten würde. Die anderthalb Stunden im Wartezimmer verbrachte ich nicht damit an was Schönes zu denken, sondern mit Fingernagelhaut knabbern und, in Ermangelung von Lesezirkelmaterial, auf den Wasserautomaten starren.

Über die Untersuchung wusste ich folgendes: In der Röhre ist es ziemlich eng und laut, allerdings bekommt man Kopfhörer mit noch lauterer Musik und dann ist alles gar nicht mehr so schlimm. Die Wirklichkeit sah folgendermaßen aus: Keine Kopfhörer, dafür sollte mir einen Zugang gelegt werden, um Kontrastmittel in meine Venen zu jagen. Mein Einwand, dass mir von Nadeln in der Haut schlecht wird, wurde kompetent ignoriert. Dann wurde ich mit den Worten: „und jetzt denken Se an wat Schönet“ fix in die Röhre geschoben.

Auf die schnelle fiel mir ein:

  1. die Affenkappelle
  2. wie sich Lena Dunham alias Hannah in Staffel zwei, Folge neun von Girls, ein Wattestäbchen absichtlich so tief ins Ohr steckt, dass ihr Trommelfell platzt.
  3. dass ich sicher die Haustüre offengelassen habe, oder zumindest den Schlüssel von außen an der Haustür habe stecken lassen oder die Herdplatte ist noch an und wenn nicht längst jemand die Wohnung ausgeraubt hat ist diese mittlerweile abgebrannt.

Äh, Unbrauchbar! Kurz öffnete ich die Augen und musste feststellen, dass die Röhre wirklich scheiße eng ist. Mittlerweile war mir schwitzig und schlecht, und die Sache mit den schönen Gedanken zunehmend komplizierter. Krampfhaft suchte ich nach etwas Schönem. Plötzlich stellte mir vor, dass zwei Hunde an einem Strand (wahrscheinlich Malibu) entlang tollen. Ja, ehrlich! Und als wäre als das noch nicht schlimm genug tollten nicht nicht nur die Hunde, ich tollte auch mit! Es gab Abendrot und sowohl ich, als auch die angeleinten Köter hüpften immer wieder begeistert in der Gischt herum.

Das war insofern ziemlich überraschend, weil ich Hunde überhaupt nicht mag und einen Mailbustrandspaziergang inklusive Gischt und Abendrot für hochgradig peinlich und kitschig halte. Über meine merkwürdige Assoziation zum Thema „was Schönes“ konnte ich mich immerhin so lange wundern, bis ich aus der Röhre raus war.

Wenn ich nächstes mal einer solchen Aufforderung ausgesetzt bin, werde ich entweder an die vielen Schichten eines Rotkohls oder an gar nichts denken. Sicher ist sicher.

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