Aggro Berlin

Man reiche mir eine Pumpgun. Eine Pumpgun und zwar SOFORT! Ja Leute, soweit ist es gekommen und dabei bin ich doch Pazifistin! Nach Feuerwaffen rufen – sag mal Berlin, was hastn du aus mir gemacht?
Manche Leute hier glauben ja Schwaben seien der Antichrist. Schwaben und Hipster und Migranten und die Ticker im Görlitzerpark und Touristen (vor allem die aus Spananien). Dabei  gibt es eine schlimmere Spezies, eine viel schlimmere. Die schlimmsten, die es gibt hier in Berlin det sind die Spießer.

Blöd an den Spießern: Viele, viele Städte sind vollgestopft mit Ihnen und man kann sie nicht im Vorfeld erkennen. Berliner Spießer sind jung und alt und groß und klein und dick und dünn und kommen aus Berlin oder Schwaben oder Spananien oder aus Liechtenstein. Erkennen kann man sie erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist – wenn sie einem hinterherzischen, rufen, toben, einem beim Vorbeigehen schön den Ellenbogen in die Seite rammen oder wenn sie sich in der Schlange vorgedrängelt haben um dann an der Theke mit ernster Miene vorzutragen dass sie nun sieben von Mutti auf den Namen Pfeiffer bestellte Pfannkuchen abholen wollen. Sieben! Und zwar schnellstens, mit Verlaub.

Eine Pfannkuchenbestellung ist natürlich längst kein Grund für eine vollautomatische Maschinenpistole. Beim Pfannkuchengate bleibe ich relativ ruhig, ach was, ich muss sogar lachen! Die Waffe wünsche ich mir vor allem dann, wenn ich mit dem Fahrrad durch Berlin fahren muss und dabei auf die Spießer treffe. Die Spießer entblöden sich nicht, mich darauf hinzuweisen, dass „hier ist ein Bürgersteig“ ist. Ja, Leute, Danke – seh ich auch, dass das ein Bürgersteig ist. Ein Bürgersteig, ein echter Bürgersteig und auf einem Bürgersteig da dürfen hier nur Bürger sein. Sein und stehen und sein und gehen – dazu ist höchstens noch ein Hund erlaubt (ob Mops oder ein Bullterrier, mit oder ohne Maulkorb, ist egal, solange er mitten auf den Bürgersteig scheißt). Im Notfall dürfen auch mal unbemannte Fahrräder mit auf dem Bürgersteig. Aber Leute AUF Fahrrädern? Fahrradfahrer? Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig? Das geht gar nicht. Echt nicht. Höchststrafe! Lebenslänglich! Auf deutsch gesagt.

Dabei sind Berliner Bürgersteige breit. Echt breit. Zumindest sind sie breiter als alle Bürgersteige in kleinen schwäbischen Dörfchen. Vielleicht nicht so breit wie die verlassenen Wege in Brandenburg, zugegeben. Jedenfalls passt auf Berliner Bürgersteige eine Menge drauf. Berliner Straßen hingegen sind oft mit Kopfstein gepflastert, ein Graus für Fahrradreifen, ätzend und gefährlich. Bei bekopfsteinten Straßen weiche ich auf Bürgersteige aus (Ja! Absichtlich!) – ich fahre dann auch extra vorsichtiger. Echt. Versprochen. Indianer Ehrenwort.

Aber wenn ich dann von Leuten angeranzt werde, werde ich richtig sauer. Ich habe die Nase voll von den Spießertrupps die von Neukölln bis Prenzelberg flanieren, den Café-Latte in der Hand. Leute, die mindestens zu viert nebeneinander her gehen aber im Traum nicht daran denken, mal ganz kurz ein bisschen Platz zu machen.
Leute, die wenn sie mich sehen anklagend die Nase rümpfen und mit spitzen Fingern auf die andere Straßenseite zeigen, hinter meinem Rücken „du schiebst auch noch in die falsche Richtung!“ zischen und sobald ich mich umdrehe schnell weggucken müssen, weil ich und mein Fahrrad ihnen echt den schönen Spaziergang versaut haben und die Latte auch, weil die jetzt vom Weggucken und Zischen kalt geworden ist!
Letztens traf ich auf Bauarbeiter, die mich nicht durchlassen wollten, weil ich auf der falschen Seite der Straße unterwegs war. Dabei musste ich nur einen Meter auf der falschen Seite zurück, weil ich die Straße zum einbiegen verpasst hatte. Erwachsene Männer, die einen mit stählernen Augen anstieren und sich extra breit machen um den Weg zu verstellen und dann bieratemvernebelt feixen, weil sie endlich mal was zu sagen haben, die Regeln durchsetzen konnten, vorbildlicher als das Ordnungsamt (bis sie mit stolzgeschwellter Brust das Kaugummi auf den Asphalt rotzen).
Ich hab die Nase voll von den Omas mit ihren Rollatoren, die mitten auf dem extra breiten Bürgersteig rumtapern und dann zetern und kreischen, weil man mit dem Rad AUFDENBÜRGERSTEIGGEFAHRENIST wo man nun vor dem Geschäft der Wahl das Rad an den dafür vorhergesehenen Ständern anschließen will.

Wenn ihr eine Radfahrerin seht, die auf dem Bürgersteig fährt und jedem konformistischen Besserwisser ein freundliches „Spießerschwein“ zuruft, dann bin ich das. Ich bin wirklich fürs -mehr Freiheit haben- und dafür, dass jeder machen darf was er will. Aber diese affektierte Belehrerei die kotzt mich an, echt! Und deshalb reiche man mir eine Pumpgun, die dicke grüne Wabbelwackelpuddingbatzen auf all diese Kotzbrocken schießt und einen Kühlpack, damit meine Halsschlagader abschwellen kann.
Und jetzt: Spießerfunk Ende!

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