Übrigens

Herzogs Hühnerhass

Werner Herzog mag keine Hühner. Werner Herzog glaubt Hühner sind dumm. Er mag nicht wie sie ihn anstarren, mag nicht wie sie aufgeregt herumflattern, wie sie stehen, gehen und picken und wahrscheinlich mag er auch nicht, dass sich die Hühner nicht gegen Angriffe im Hühnerstall wehren können. Dabei ist ein Marder einfach stärker als ein Huhn. Auch physisch. Dafür können die Hühner nix, auch deren Dummheit nicht. Ja, es stimmt, wenn der Marder kommt, sind die Hühner nicht schlau genug um aus ihren Ställen zu flüchten. Sie drängen sich lieber alle zusammen in eine Ecke des Stalls, kreischen hysterisch, schlagen mit den Flügeln und versuchen sich mit einer Wolke aus Federn darüber hinwegzutäuschen, dass der Marder gerade eins nach dem anderen von ihnen zerfleischt.

Willkommen in Deutschland

In Ungarn werden Bahnhöfe geräumt. Dänemark stoppt die Zugverbindungen nach Deutschland. Tausende Menschen erreichen München. Flüchtlingskrise.
Eigentlich wollte ich schon vor zwei Monaten eine Reportage über die Flüchtlingssituation in Deutschland schreiben. Damals stand Griechenland als Synonym für die Krise in Europa und Angela Merkel streichelte unbeholfen über die Haare eines kleinen Mädchens. Sie konnte nicht trösten, weil das Kind ein Flüchtling war und Entscheidungen über das Aufenthaltsrecht von Menschen politisch und nicht emotional gefällt werden. Vor einer endgültigen Aussage muss der Aufenthalt zunächst geprüft werden. Praktisch bedeutet das, dass ein Mensch zunächst zu Papier gemacht werden muss. Dann kann ein Leben über Schreibtische wandern, in Plastikablagen gelegt, gestempelt, beschrieben, bedruckt, geändert werden.

Was sind es für Perspektiven die Menschen haben, die es bis hierher schaffen? Wie lebt jemand, der nicht als Einwanderer, sondern als Flüchtling gilt? Munir aus Afghanistan hat mir seine Geschichte erzählt.

B(re)ad Romance

Der Verzicht auf Gluten ist eine Modeerscheinung. Eine unsinnige, hirnrissige Idee auf die nur verzickte Gesundheitsfanatiker kommen können, denen Bio mittlerweile nicht mehr gut genug ist. Hey, holt die Fanfaren raus! Ich bin endlich bei den supercoolen Kids angelangt, denn ich habe eine waschechte Lifestyle-Erkrankung! Zugegeben, ich war schon immer ein Sensibelchen. Heuschnupfen, Asthma, Schuppenflechte – das A für Allergien brauche ich nicht mehr zu kaufen. Meine aktuelle krankheitsbedingte Problembewältigungsstrategie sieht Gluten-Verzicht vor. Die Strategie gilt allerdings nicht als Lösung sondern vielmehr als Problem. Beziehungsweise zählt sie zum gegönnten Luxus. So zumindest sieht man das im Lifestyle-Ressort.

Die Zeitungsfrau

Der Mörder kommt meist durch die Hintertür. Logisch. Mädchen in Horrorfilmen rennen, sobald sie ein komisches Knarzen hören immer in den ersten Stock. Das ist weitaus weniger logisch, weil sie sich dann im Wandschrank verstecken müssen und nicht ordentlich fliehen können. Die Mottenkugeln, die noch von Oma im Schrank abgelegt wurden und der Staub, der an den Klamotten hängt, kitzelt Horror-Opfer in den Nasen. Und enttarnt durch einen Nieser werden sie am Ende brutal abgeschlachtet, obwohl sie sich doch so einfach durch die Vordertür hätten retten können.

Denken Sie an was Schönes

Die Anweisung an was Schönes zu denken erhält man vor allem beim Arzt. Doch anstatt sich schon im Wartezimmer etwas für selbigen Ernstfall zu überlegen, schlägt man die Zeit dort, wie vorgeschrieben, mit Warten tot. Erst blättert man die Gala und die In-Touch durch. Dann die Bunte. Stern und Spiegel sind schon weg. Beides haben schlaue Wartende bereits Anfang der Woche mitgehen lassen.

Silvester

Viele Jahre habe ich ja immer Sylvester geschrieben, wenn ich Silvester meinte. Wahrscheinlich wegen Sylvester, dem grauen Kater aus Bugs Bunny, aus den Cartoons, die ich ausschließlich bei Oma gucken durfte. Bei derselben Oma verbrachte ich auch die ersten sieben Silvesterabende.

Do They Know It’s Scheiße?

Eine kleine Weihnachtsgeschichte:

Die Ravensburger Bevölkerung hatte bereits kurz nach Öffnung des diesjährigen Weihnachtsmarkts bemängelt, dass es nur mehr Sauf- und Fressbuden auf dem Markt gäbe. Das kann nicht stimmen, denn ich verkaufe hier keinen Glühwein (leider).

Volleyball RULEZ

Wie war das noch gleich mit Volleyball. Umkleidekabinenmief für die Turnbeutelvergesser, Duschzwang für alle, die gleich noch zu Mathe müssen und die obligatorisch brennenden Unterarme nach dem Aufschlagtraining. Pustekuchen. Volleyball ist super. Genauso super wie Fußballgucken und Karneval. Und zwar nicht nur in der weichgezeichneten Mila Manga-Optik auf Super RTL.

Michael and Me

Solange ich denken kann gab es zwei Geburtstagskuchen, zwei Häufchen mit Geschenken, zwei Partys (oder eine Party auf der es dann immerhin zwei Schlangen gab in die sich Gratulanten einreihen konnten) und solange ich denken kann habe ich an meinem Geburtstag auch anderen gratuliert. Jenen, mit denen ich meinen Geburtstag teilte: meinem Vater, meinem Cousin und später – nach eingängiger Lektüre des BRAVO-Star-Kalenders – auch Michael Jackson. Allesamt geboren am 29. August.

Easy Listening

Apropos Schweine: Die Webseite Porktrack behauptet sie könne errechnen zu welchem Lied man gezeugt worden sei. Bei mir soll das „Still“ von den Commodores gewesen sein. Ich hab mir den Song mal angehört und kann sagen: Zu dieser miesen Schmonzette hätte sich bei meinen Eltern nicht mal ein Fünkchen Romantik entwickeln können. Seichtes Radiogedudel kam bei denen jedenfalls nicht in die Tüte. Wenn überhaupt, dann hat mein Vater wahrscheinlich ein Album aufgelegt.

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