Meine Schwester und ich und eine griechische Insel

Der Urlaub auf Korfu war gut. Das lag vor allem an meiner Schwester, die, genauso wie vorher abgesprochen war, nur am Strand liegen und lesen wollte.

Um zum Strand zu gelangen mussten wir von unserem Appartement um die 10 Minuten gehen. Erster Stopp: Minimarkt. Alles, was im Markt feilgeboten wurde, war mit einer feinen Staubschicht bedeckt und gleiche Produkte mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Der Besitzer („just call me Joey“), der um zehn bereits eine verlässliche Fahne hatte, rechnete jeden Einkauf (auch 1,20 Euro plus 1 Euro) mit einem alten Taschenrechner aus. Die Einkäufe im Minimarkt dauerten, weil sich „just call me Joey“ oft vertippte oder bei einem Einkauf von zwei Dosen Apfel-Fanta, einem Donut und drei Keksen versuchte, die absurde Summe wie 20 Euro und 47 Cent abzukassieren. Gegen Ende der Woche hat meine Schwester die Preise vorgelesen und ich den Rechner bedient.

Nach dem Einkauf gingen wir durch einen Olivenhain (die Oliven waren klein, also mickrig, aber wohl auch noch nicht reif. Außerdem waren alle grün – aber meine Schwester hat auf Wikipedia gelesen, dass fast alle schwarzen Oliven in Farbe eingelegt werden. Hat also alles seine Richtigkeit).

Am Strand mussten wir einen Sonnenschirm mieten. Klar, Einheimische wundern sich, legen die tiefbraune Lederhaut knallhart ins UV, selbstverständlich ohne Badehose oder Kopfschutz. Ich, eher sonnenbrandanfällig, muss da andere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und kann sagen: Stimmt, im Schatten und mit Lichtschutzfaktor 30 wird man nicht gerade dunkelbraun – allerdings kann man so immerhin eine ganze Woche am Strand verbringen. Wie viele Weißbrote neben uns innerhalb weniger Minuten zu gekochten Hummern verbrannten und danach nie wieder gesehen wurden, vermochten wir nicht zu zählen.

Ohne Schirm läuft nix
Ohne Schirm läuft nix

Einen Inselbesichtigungstag führten wir doch noch durch. Ich hatte mir Korfus Städte und Dörfer etwas verratzt vorgestellt, dachte aber auch, sie hätten regionalen Charme, träumte von großen Ständen mit Oliven, Pasten und Eingelegtem, Trögen voll Joghurt mit Honig und Nüssen und selbstgebranntem Ouzo an jeder Straßenecke….
Den frischen Joghurt gab es nur an der von Holländerinnen betriebenen Hippie-Bude am Strand, die einzigen Oliven, die ich aß, waren abgepackt und laut Label in der Türkei verarbeitet worden. Die Häuser waren tatsächlich verratzt, dazwischen viele Bauruinen und ein paar armseligen Hotelanlagen. Aber ich kann nicht nur meckern. Das wahre Highlight Korfus ist das unfassbar klare, türkisfarbene Meer, in dem man echt gut schwimmen und kleine Fische (silbern mit schwarzen Streifen) beobachten kann. Scheinbar sehen das nicht alle so – uns fiel fast die Kinnlade runter, als wir auf dem Weg zum Flughafen am Korfiotischen „Aqua-Land“ vorbeifuhren. Aqua-Land: Zwei Pools (aus denen Angestellte sicherlich jeden Morgen mit einem Kescher die Kotzbröckchen der All-inklusive-Urlauber fischen müssen), dahinter in vier Reihen zweigeschossige Bungalows mit kleinen Balkonen, auf denen die mit Deutschland, Formel-Eins, Shakira, Wendy und Ed-Hardy bedruckten Handtücher baumeln. Davor und drin Unmengen von Jugendlichen, um deren aufgequaddelte Handgelenke grüne Aqua-Land-Bändchen gezurrt sind, mit überdimensionierten Brillis im Ohr, bauchfreien Tops, wasserfestem Liedschatten in grün und das Allerbeste am All-inklusive-Aqua-Land-Urlaub: vom Meer ist weit und breit nichts zu sehen!

So schön kann Korfu sein.
Korfu Stadt – fast so schön wie Aqua Land

Am Flughafen gab es dann keine Warteschlangenordnung, beziehungsweise keine Plastikbänder, die den Check-In Bereich von der Boarding-Schlange trennten. Das gipfelte in absolutem Chaos: weinende Omas auf Rollkoffern, weinende Teenies, denen die Omas mit den Rollkoffern über die beflipflopten Zehen gefahren waren, keifende, krebsrote Paare mittleren Alters, greinende Kleinkinder. Dafür war direkt vor der Abflughalle ein Bierstand mit vertretbaren Preisen, welcher meine Schwester und mich dann auch zu folgendem Fazit bewegen konnte:

Korfu – wir kommen wieder.

 

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