Wer hat Angst vorm Petermännchen?

An Portugals Stränden treibt ein Fisch sein Unwesen, der als Petermännchen bezeichnet wird. Leider ist das Petermännchen nicht so putzig wie sein Name es vermuten lässt. Tatsächlich ist dieses Vieh sogar ziemlich hinterlistig, weil es sich in den weichen Sand eingräbt und nichtsahnenden Touristen seine giftigen Stacheln in die schutzlosen Fußsohlen rammt. Vor dem gemeinen Petermännchen war ich in einem einschlägigen Internetforum gewarnt worden. Punkt eins unserer Urlaubssatzung beschloss daher: sollte einer von uns verräterische Luftlöcher im portugiesischen Sand entdecken, galt es sowohl uns als auch sämtliche Anwesende an Lissabons Stränden zu warnen.

Schon während des Zwischenstopps in Brüssel geriet das Petermännchen in Vergessenheit. Nach einem ausführlichen Gespräch über Idioten, die sich vor einem Flug an Duty-Free-Parfumproben bedienen, kam ich auf den Gedanken mir ausnahmsweise einen kleinen Spritzer Jean Paul Gaulthier zu genehmigen. Von durchdringendem Parfumgestank enttarnt gab es den ersten Ärger. Meine Schwester und Rebecca zweifelten zurecht an meiner geistigen Kompetenz und sprachen ein Drogerie-Verbot aus.

Lissabon war dennoch eine reine Wonne. Hier gibt es nicht nur die schönsten Sardinendosen der ganzen Welt, sauguten Kaffee und heruntergekommenes wie restauriertes Art-Deco, dass es nur so kracht – vor allem ist Lissabon ein Traum für Schnaps und Kuchenliebhaber. Für ein echtes Nata im Casa Pasteis de Belem standen wir geduldig an. Zurecht ist die Bäckerei in jedem Reiseführer verzeichnet, keiner backt den Sahne-Blätterteigtraum köstlicher. Schnaps kauft man in ausgewiesenen Ginjinha-Buden, in denen ein Barmann die tägliche Dosis in Shot-Portionen ausschenkt.

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Andere Dinge standen nicht im Reiseführer, wären allerdings durchaus einen Tipp wert gewesen. Direkt bei unserer AirBnB Unterkunft (außerhalb der Stadt mit direktem Blick auf Meer und Petermännchen) lag ein Wald. Bei jedem Ausflug in die Stadt durchquerten wir den durchaus hübschen Mini-Dschungel, um die Bahnstation zu erreichen. Ja, ich hatte mich zwischenzeitlich gefragt, warum ausgerechnet mitten in dem verlassenen Waldstück ein Parkplatz lag. Und warum uns die wenigen Leute, die uns auf dem ausgetretenen Pfad begegneten, so komisch anstarrten, oder schnell kehrtmachten. Nach der Begegnung mit dem nackten, masturbierenden Mann wurde mir einiges klar – auch, dass sich der Mini-Dschungel nicht unbedingt als Abkürzung zur Bahn eignete.

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Mystery-Dschungel

Der Urlaub brachte noch eine weitere Erkenntnis: an den Stränden von Portugal ist es nicht das Petermännchen, dass gefürchtet werden muss. Es sind die Kreuzfahrtschiffe. Sobald sich die Aida oder Queen-Mary-Horror-Clubschiffe in die Lissabonner Bucht schieben, hissen die für die Sicherheit der Badewütigen abgestellten Bademeister die rote Fahne. Denn mit den Schiffen kommt die dunkle Gefahr. Der Dreck, den tausende Pauschalurlauber aus ihren Zähnen, Haaren und Hintern pressen, ergießt sich in die Lagunen. Alles, von Plastikverschalungen der Klosteine bis zum gebrauchten Kondom landet am Strand. Kein Wunder, dass wir die ganze Woche lang kein einziges Petermännchen gesichtet haben…..

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Petermännchen? Fehlanzeige!

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