Der Kapitalismus und die Jungfräulichkeit

In der Berliner O2-World kostet das Bier seit neuestem 5,50 Euro. Auf die Frage, warum der Preis um 50 Cent erhöht wurde, erklärte mir das Mädchen hinter dem Zapfhahn schuldbewusst: Wegen des Mindestlohns. Haha. Klarer Fall, der Mindestlohn ist schuld. Der beträgt ja immerhin stolze 8.50 Euro. Nun fragt man sich zu welchen Löhnen die armen Angestellten vorher das sauteure Bier in die Plastikbecher haben zapfen müssen. Sie müsse das auf Nachfragen dem Kunden so erklären, habe der Chef vorgeschrieben, erklärte sie weiter. Klar, der Chef, der ist eben schlau!

Drinnen in der O2World (da wo die Arbeiter hinter den Zapfhähnen nicht rein dürfen) war jeder Platz besetzt. Laut Wikipedia sind das während einer Konzert-Veranstaltung 17.000 volle Plätze.

Wenn nur die Hälfte aller Besucher ein Bier trinkt, macht dass nach den alten Preisen mal eben 42.500 Euro, dank des Mindestlohns verdienen die Betreiber jetzt 46.750 Euro, also 4.250 mehr. Sollten an diesem Tag 30 Leute jeweils 6 Stunden für den Mindestlohn im Ausschank gearbeitet haben, läge der Gesamtlohn der Belegschaft grade mal bei 1.530 Euro.

Klar, das ist jetzt alles überschlagen und am Ende sicher noch komplizierter (Brutto, Netto, Krankenkasse, drei im Sinn) alles in allem scheint es aber, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wie folgt zu sein: Der Mindestlohn-Aufschlag rechnet sich für den Chef, das Mädchen hinterm Zapfhahn braucht gar keine Schuldgefühle zu haben.

Ich habe an dem Abend übrigens drei Weisswein getrunken. Der blieb im Preis stabil, kostet immer noch 6 Euro das Stück.

Capitalism Stole My Virginity from eeop on Vimeo.

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